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Catania: Tanz um den Vulkan

Von Memmingen direkt nach Catania

Der Journalist und Fotograf Stefan Gruber ist passionierter Fan von Bella Italia. Mehrfach hat er Sizilien bereist, den Osten der Insel findet er ideal für alle jene, die einen Strandurlaub mit spektakulären Naturerlebnissen, Shopping-Touren und einem Blick auf Zeugnisse der Geschichte verbinden wollen. Hier könnt ihr euch Anregungen holen…

Diese Fahne ist ein Gruß. Mal lässt der Ätna seinen weißen Rauch senkrecht wie eine Säule in den blauen Himmel steigen, mal prustet der Vulkan den Qualm einem genussvollen Raucher gleich in zierlichen Wölkchen aus. Das Naturschauspiel ist einzigartig in Südeuropa und seit ewigen Zeiten ein Markenzeichen für Sizilien. Beim Anflug auf Catanias Flughafen Fontanarossa könnt ihr es perfekt beobachten – und euch auf einzigartige Tage freuen. Gerade der Osten der größten Mittelmeerinsel bietet eine perfekte Mischung aus Strand, Stadt, Kultur und Natur. Wir haben die besten Ausflugstipps für euch zusammengefasst.

Auf Catania müssen sich die meisten erst einlassen. Die zweitgrößte Stadt Siziliens hat einen herben Charme, doch den könnt ihr entdecken. Vielleicht dauert es ein paar Schritte, bis die Metropole am Fuß des Ätna ihren geheimnisvollen Schleier ablegt. Doch dann nimmt sie euch gefangen.

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Ein Besuch am Fischmarkt darf nicht fehlen

Wie wäre es mit einem leckeren Start? Das Café Prestipino ist Legende. Die Mehlspeisen explodieren geradezu am Gaumen. Unbedingt probieren solltet ihr die Cannolo, mit Ricottacreme und Pistazien gefüllte Teigröllchen. Bei diesem Genuss könnte man für ein paar Momente glatt den grandiosen Blick über die Piazza Duomo mit dem Elefantenbrunnen vor der Cattedrale di Sant’Agata vergessen.

Ihr wollt das pittoreske Gassengewirr der Altstadt erstmal von oben sehen? Kein Problem. In der Chiesa della Badia di Sant’Agata gleich gegenüber dem Dom führt eine Wendeltreppe auf den Balkon direkt unter der Kuppel. Der Ausblick von dort ist spektakulär.

Am Fischmarkt tauchen wir in den authentischen Alltag Siziliens ein. Das Geschrei der Händler, die lautstark mit ihren Kunden um den Preis für ein Stück Thunfisch, eine Makrele oder ein Kilo Meeresfrüchte feilschen, übertönt die Szenerie. In der Luft hängt der unwiderstehliche Duft der Garküchen, der uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Eine Portion Fritto Misto muss jetzt sein.

Catania ist natürlich auch Einkaufsstadt. Auf der Via Etnea findet ihr trendige Shops, Boutiquen und Modeläden, die zum entspannten Bummeln einladen. Den Blick auf den Ätna, der seinen Qualm um den schneebedeckten Gipfel wabern lässt, gibt es gratis dazu.

Was solltet ihr gesehen haben? Das imposante römische Amphitheater, die Villa Bellini – die grüne Lunge der 320000-Einwohner-Metropole – vielleicht noch das Castello Ursino, das Stauferkaiser Friedrich II. hier erbaute – aus dem grauen Lavagestein natürlich, wie so viele andere Gebäude der Stadt auch. Lasst euch einfach durch die Altstadt treiben.

Taormina ist Siziliens Nummer 1

Im Osten Siziliens könnt ihr aber noch viel mehr entdecken. Das 60 Kilometer nördlich von Catania gelegene Taormina ist der Touristenmagnet Nummer 1 der Region. Hier findet ihr die schönsten (leider aber auch teuersten) Hotels der Insel. Wirklich zu empfehlen ist das Hotel Villa Belvedere. Die Lage ist einfach hinreißend, der Blick über die Küste atemberaubend, die Kulinarik ausgezeichnet.

Die landschaftlichen Vorzüge Tauromenions schätzten schon die Römer, deren Upper-Class sich hier edle Villen gönnte. Wie ein Schwalbennest klebt der Ort bis heute hoch über den Stränden um die Isola Bella an den Abhängen des Monte Tauro. Araber, Spanier und Franzosen hinterließen in dem Städtchen mit seinen verwinkelten Treppengässchen ihre Spuren. Vor allem aber die alten Griechen und Römer. Das griechisch-römische Theater ist wohl das berühmteste Bauwerk Siziliens. Besonders lohnend ist der Abstecher am frühen Morgen (Öffnung ab 9 Uhr). Dann könnt ihr die Aussicht bei meist klarer Luft besonders genießen.

Schon Goethe schwärmte übrigens von Taormina als „ungeheuerstes Natur- und Kunstwerk“. Seinen Theaterbesuch am 7. Mai 1787 beschrieb er so: „Setzt man sich nun dahin, wo ehemals die obersten Zuschauer saßen, so muss man gestehen, dass wohl nie ein Publikum im Theater solche Gegenstände vor sich gehabt hat.“ Der deutsche Dichter war übrigens nicht der einzige prominente Besucher. Auch Oscar Wilde, Gustav Klimt oder Truman Capote ließen sich vom Mythos Taormina verzaubern.

Bei aller Romantik: Autofahren gehört in Taormina nicht gerade zu den entspannendsten Momenten des Urlaubs. Wenn ihr die zentimetergenaue Navigation durch enge Straßen nicht als sportliche Herausforderung betrachtet, werdet ihr wohl anschließend einen Espresso doppio auf der Piazza IX. Aprile brauchen.

Ein Aufstieg, der sich lohnt

Hier steppt abends der Bär. Die Lichter von Giardini Naxos unten an der Küste tanzen wie eine geordnete Armada winziger Glühwürmchen über den gischtenden Wellen. Steil nach oben geht es rechts davon. Über dem spitzen Glockenturm von San Giuseppe thront die Wallfahrtkirche Santa Madonna della Rocca. Von dort oben müsste die Aussicht doch noch besser sein. Stimmt! Allen Panorama-Süchtigen sei der Aufstieg empfohlen. Sogar noch weiter. Vorbei an den Ruinen des Sarazenen-Castells wandern wir hinauf ins Bergdorf Castelmola. Den bittersüßen Mandelwein, den hier jede Bar offeriert, gönnen wir uns erst nach dem schweißtreibenden Gipfelsturm auf den Monte Veneretta. Hier ist eigentlich schon der Ausblick Belohnung genug. Der Ätna und die Zyklopen-Küste, an der Odysseus einst den wütenden Polyphem überlistete, liegt uns zu Füßen. Und das fast touristenfrei!

Syracus gilt als Venedig Siziliens

Syracus im Süden der Ostküste ist eine Stadt magischer Kontraste. Hier die Baukunst der frühen Griechen in der archäologischen Zone mit dem halbrunden Theater und dem wuchtigen Altar des Hieron, dort die feinen Boutiquen auf dem mondänen Corso Giacomo Matteotti. Wer von hier abzweigt in eine der dunklen Seitengassen, wird schnell mit einem der zahllosen Vendesi-Schilder („Zu verkaufen“) konfrontiert, die Türen an morbiden Fassaden zieren. Siziliens Venedig wird die Stadt auch gern genannt. Die Halbinsel Ortygia ist schließlich fast komplett von Wasser umgeben und so mancher filigrane Palazzo am Naturhafen erinnert in der Tat an die Serenissima.

An der papyrus-bestandenen Quelle der Arethusa werdet ihr wie viele andere auch die Kamera klicken lassen. Ebenso am Dom. Der hat den griechischen Athena-Tempel kurzerhand „geschluckt“. Die architektonische Meisterleistung der Stil-Symbiose zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten Siziliens. Weniger bekannt ist dagegen das Museo Aretuseo dei Pupi in der Via della Giudecca. Mehr als einen Meter groß und etliche Kilo schwer hängen die farbenfrohen Marionetten an der Wand. Sie erzählen von der Blütezeit der Stadt, als diese den einfallenden Arabern lange erfolgreich die Stirn bot. Etliche Jahrhunderte später allerdings verblasste der Glanz von Syracus. Noto wurde nun nicht nur Hauptstadt der Provinz, sondern nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 auch prachtvoll im Barockstil dekoriert.

Sizilianische Lebensfreude in Noto

Wenn die untergehende Sonne die ockerfarbenen Sandsteinfassaden der Kirchen und Paläste am Corso Vittorio Emanuele III. mit ihren mitunter verwegenen Dekorationen aus Fratzengesichtern, Fabelwesen und Ungeheuern in oranges Licht taucht, erwacht in Noto die sizilianische Lebensfreude. Familien flanieren dann laut gestikulierend durch die Straßen, Jugendliche funktionieren die Terrasse vor dem Eingang der Cattedrale San Nicolo kurzerhand in eine Skaterarena um und die Grand Signeurs beobachten das Treiben mit stoischer Miene von der Steinbank vor dem Palazzo Landolina aus.

Eine Wandertour durch die Jahrtausende

Sizilien kennt aber auch die erholsame Stille der Natur. Der fruchtbare Südosten der Insel mit seinen plastik-bedeckten Tomatenplantagen und Gemüsefeldern zählt zwar nicht gerade zu den landschaftlichen Höhepunkten, die Anapo-Schlucht macht da aber eine Ausnahme. Mehrere hundert Meter tief hat sich der gleichnamige Fluss durch die Kalkfelsen der Monte Iblei gefressen. Vorbei an den (längst ausgeraubten) Grabhöhlen der bronzezeitlichen Sikuler in der Totenstadt Pantálica ziehen sich heute idyllische Pfade durch die verwunschen wirkende Landschaft. Dichte Macchia, blühender Oleander und kräftige Feigenbäume geben die Kulisse für die Wandertour durch die Jahrtausende.

Weniger Grün hat die zweite Schlucht zu bieten, die im Osten Siziliens die Naturliebhaber anlockt: Die dunkelgraue Basaltwand, die vom Flussbett des Alcantara gut 20 Meter senkrecht nach oben ragt, erinnert an den Faltenwurf eines unordentlichen Handtuch-Stapels. Die seltene Gesteinsformation genießen wir lieber vom Ufer aus. Das grünschimmernde Wasser erreicht auch im Sommer kaum mehr als die Temperaturstufe „eiskalt“.

Dem Feuerberg so nah

Keineswegs kalt lässt uns der Ätna gleich nebenan. Die bizarre Welt des qualmenden Riesen nehmen wir von Nicolosi aus in Angriff. Am Rifugio Sapienza entscheiden wir uns – nolens, volens – fürs Kombiticket aus Seilbahn und Allradbus. Auf eigene Faust ist die Tour durch die Lavawüste eh nicht erlaubt (www.parcoetna.it oder www.parks.it/parco.etna).

Tiefschürfende Erklärungen sollte man von den „Bergführern“, die Besucher nach der Auffahrt noch rund 30 Minuten begleiten, aber nicht erwarten. Auch nicht den Blick in den brodelnden Schlund von Europas aktivstem Vulkan, der ja zuletzt im März 2021 lavaspuckend für Furore gesorgt hatte. Und doch bleibt das Gefühl: Wir waren dem Feuerberg ganz nah.

Anreise: Mit Wizz Air von Memmingen direkt nach Catania

Mit Wizz Air geht es von Memmingen ab 15. Juni direkt nach Catania. Zwei Mal wöchentlich (Dienstag und Samstag) fliegt die ungarische Airline das Ziel im Osten Siziliens an. Die Flugzeit beträgt knapp 2:30 Stunden.
Wer vor dem etwas „robusten“ Verkehr in Italien nicht zurückschreckt, ist mit einem Auto vor Ort am flexibelsten. Alle internationalen Mietfirmen sind am Flughafen Fontanarossa vertreten.
Weitere Informationen zu Sizilien findet ihr unter www.visitsicily.info.

Mehr über Stefan Gruber? 

Hier geht’s zu seiner Website touristikfoto.com.
Auf Instagram findet ihr ihn unter instagram.com/touristikfoto.

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