AUSBAUPROJEKTE AM FLUGHAFEN MEMMINGEN

Aktuelle Berichterstattung zum Ausbau

20.08.2019: Hochbetrieb ohne Passagiere

27.05.2019: Ausbau läuft nach Plan

Start frei für ein ehrgeiziges Projekt: An Bayerns drittem Verkehrsflughafen sind ab Frühjahr 2019 umfangreiche Ausbauarbeiten im Gange. Herzstück ist die Verbreiterung der knapp 3.000 Meter langen Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter. Die Erneuerung des Landesystems, die Erweiterung der Gepäckhalle, Vergrößerung der Vorfeldflächen sowie der Bau eines Regenrückhaltebeckens runden die Maßnahmen ab. Mit einem Abschluss der gesamten Arbeiten ist im Jahr 2020 zu rechnen. Die Details:

Da fliegen wir drauf: Verbreiterung der Start- und Landebahn

Die Start- und Landebahn entspricht in der derzeitigen Breite von 30 m nicht den internationalen und europäischen Standards. Für die vorgesehene Anpassung einer Start-/Landebahnbreite von 45 Meter und den zugehörigen Schultern mit links und rechts je 7,50 m Breite müssen rund 165.000 m² Asphalt erneuert werden; das entspricht fast 60.000 Tonnen Material. Die Piste erhält während der Sperrung im September 2019 in einer konzertierten Aktion den Feinbelag, um so wenig wie möglich Übergänge und Nähte auf der Oberfläche zu erhalten und die Qualität des Belags zu optimieren. Nach Abschluss dieser Arbeiten werden dann rund 11.000 m² neue Markierungen fällig, um den betriebsfertigen Zustand herzustellen.

Flughafensperre

Die Asphaltierungsarbeiten der Start- und Landebahn finden vom 17. – 30. September 2019 statt. In dieser Zeit wird der Flughafen geschlossen und es ist kein Flugbetrieb möglich.

Es werde Licht: Erneuerung der Befeuerungsanlage

Der Flughafen Memmingen erhält im Rahmen der Ausbaumaßnahmen ein vollständig neues Befeuerungssystem: Die alten Anlagen, die zum Teil noch aus der militärischen Nutzung stammen, werden auf LED-Technik umgestellt. Eine moderne Start-/Landebahnbeleuchtung (Randbefeuerung, Mittellinienbefeuerung und Aufsetzzonenbefeuerung) nach europäischen Richtlinien tritt an ihre Stelle. In einem ersten Schritt wurden Kabelgräben neben der knapp 3.000 m langen Bahn für das Leerrohrsystem ausgehoben.
Durch diese Modifizierung kann der Betrieb künftig auch bei geringen Sichtweiten aufrecht erhalten bleiben. Insgesamt werden über 600 neue Leuchten und über 120 Kilometer Kabel verlegt. Auch für eventuelle Stromausfälle ist der Flughafen Memmingen bestens gerüstet: Zwei neue Elektrostationen mit Notstromaggregaten von insgesamt 800 kW Leistung können in Sekundenschnelle die benötigte Energie bereitstellen und ersetzen die in die Jahre gekommenen Anlagen. Die Anflugbefeuerung wird von beiden Anflugrichtungen erneuert und internationalen Standards angepasst. Die Steuerung erfolgt zentral über Glasfaserverbindungen mit einer Länge von fast 10 Kilometern. Die Anlage ist in Modulen aufgebaut erweiterbar, also für alle künftigen Aufgaben des Flughafens gerüstet.

Präzisionsarbeit: Neues Instrumentenlandesystem

Der Flughafen Memmingen besitzt derzeit ein Instrumentenlandesystem (ILS) der Kategorie I aus der Anflugrichtung Osten (Anflugrichtung 24). Der Anflug von Westen erfolgt bisher über ein Nichtpräzisionsanflugsystem, bei dem die Piloten keinen Leitstrahl erhalten, auf dem sie ihre Bordsysteme automatisch ausrichten können. Um hier besser gerüstet zu sein und auch bei minimaler Sicht landen zu können, wird daher ein zweites und somit auch redundantes Instrumentenlandesystem in der sogenannten Nebenanflugrichtung 06 errichtet.
Ein Instrumentenlandesystem besteht vorwiegend aus zwei Teilen: einem Landekurssender (für die Richtung / die Bahnachse) und einem Gleitwegsender (für den Anflugwinkel). Der Gleitwegsender befindet sich seitlich der Bahn, gut erkennbar an dem rot-weißen Gittermast und der davorliegenden Schutzfläche, die mit Leitpfosten und Kunststoffketten abgegrenzt wird. Der Landekurssender wird am Bahnende in Verlängerung der Mittelachse aufgestellt und besteht aus mehreren Antennen.

Die leistungsfähige Anlage, Herzstück für die anfliegenden Luftfahrzeuge, sendet ununterbrochen Signale und bedarf ständiger Kontrolle und Wartung. Um Funktionssicherheit und Präzision zu gewährleisten, wird sie regelmäßig zu Testzwecken überflogen, um, falls notwendig, die Signale neu zu kalibrieren.

Die Kategorie I ermöglicht am Flughafen Memmingen eine Entscheidungshöhe von 200 Fuß (60 m, Wolkenuntergrenze) über Grund und eine Landebahnsicht (engl. runway visual range, RVR) von mindestens 550 m. Wir streben künftig die höhere Anflugkategorie II an, mit einer Entscheidungshöhe zwischen 100 und 200 Fuß über Grund (30–60 m) und einer RVR von mindestens 300 m.

Damit keiner auf gepackten Koffern sitzt: Gepäckhallenerweiterung

Ein kundenfreundliches Terminal braucht zur reibungslosen Abwicklung der Betriebsabläufe eine entsprechend dimensionierte Gepäckhalle. Daher wird die Gepäckhalle am Flughafen Memmingen unter bedarfsgerechten und sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten erweitert. Diese Maßnahme entspricht den maßgeblichen Anforderungen von ICAO-Annex 14 bzw. den entsprechenden EASA-Vorschriften. So können die Abläufe effizienter und entsprechend der internationalen Servicelevels verbessert werden. Die geplante funktionale Halle wird östlich des Terminals mit einer Grundfläche von rund 2.100 m² errichtet.

Neue Heimat für Reptilien: Eidechsenhabitat

Im Südgelände des Flughafen Memmingen sind Wartungs- und Unterstellhallen vorgesehen. Die Flächenbebauung wurde mit Planfeststellungsbeschluss vom 01.03.2013 genehmigt. Dazu müssen Shelter abgebrochen werden, die derzeit auch als Lebensraum für Eidechsen dienen. Um den Bestand beim Abriss nicht zu gefährden, wird auf einer Fläche von rund 5.800 m² für die Tiere eine neue Heimat geschaffen. Für das Eidechsenhabitat werden unter anderem elf Bodenvertiefungen ausgehoben, die locker mit Sand und Steinen aufgefüllt werden. Auch Totholzhaufen und Wurzelstöcke als Unterschlupf kommen hinzu. Die artgerechte Gestaltung des neuen Habitats soll die Eidechsen dazu verlocken, ihren bisherigen Lebensbereich schon vor dem Abbruch sozusagen freiwillig zu verlassen.

Denn um die erfolgreiche Umsiedlung der Tiere sicherzustellen, muss zwischen der Errichtung der Habitate und dem Eingriff im Süden ein zeitlicher Vorlauf von mindestens einer Vegetationsperiode eingehalten werden.

Das wird verbaut – Daten & Fakten

Daten & Fakten
100 km Leerrohre
120 km Befeuerungskabel
2 km Steuerkabel
9,5 km Lichtwellenleiter
631 LED Lampen
800 kW Notstromdiesel
165.000 m² Asphaltfläche
57.000 t Asphalt
2.700 m² Beton
11.000 m² Markierungen

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