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Târgu Mureș: auf den Spuren Draculas durch Transsilvanien

Von Memmingen nach Transsilvanien mit Nina – Reisebloggerin .

Für ihren gemeinsamen Blog Good Morning World reisen Melanie und Nina seit einigen Jahren um die Welt. Ihren festen Job haben sie an den Nagel gehängt um die Welt zu entdecken und uns mit auf ihre Abenteuer und Erlebnisse zu nehmen.

Die beiden bereisen jeden Kontinent und erzählen in spannenden Geschichten mit tollen Bildern was du während deinen Trip auf keinen Fall verpassen solltest.

Für den Flughafen Memmingen war Nina am Juni 2019 in Transsilvanien …

In Transsilvanien ticken die Uhren anders. Das wird mir schnell klar. Hier werden Pferde in Minibussen transportiert, in den Dörfern und auf Feldern prägen alte Pferdekarren das Bild. Und natürlich ist Dracula hier omnipräsent. Ob im Namen diverser Hotels oder auf der Speisekarte von Restaurants, der blutrünstige Herrscher hat scheinbar überall seine Finger im Spiel.

Transsilvanien – oder auch Siebenbürgen genannt – befindet sich im Zentrum Rumäniens. Bis vor 100 Jahren zählte das Gebiet noch zu Österreich-Ungarn. Neben Rumänen leben hier vor allem auch Ungarn und Siebenbürgen Sachsen, deren Ursprung meist in Deutschland liegt. Eine bunte Mischung also, die diesen Teil Rumäniens wirklich spannend macht. Hier sind meine Tipps für ein verlängertes Wochenende in Transsilvanien!

Die wichtigsten Orte im Landkreis Mureș

Transsilvanien besteht aus mehreren Kreisen. Einer davon ist Mureș, benannt nach dem gleichnamigen Fluss. Die wichtigsten Städte sind die Hauptstadt Târgu Mureș, die Geburtsstadt Draculas Sighișoara sowie der Kurort Sovata.

Târgu Mureș – Hauptstadt mit prunkvollen Gebäuden

Târgu Mureș ist mit rund 130.000 Einwohnern das Zentrum der Region Siebenbürgen. Hier befindet sich auch der Transilvania Airport. Die Einwohner der Stadt stammen etwa zu gleichen Anteilen aus Rumänien und Ungarn. Viele sehenswerte Gebäude aus der Österreich-Ungarn Zeit zieren die Straßen und machen einen Bummel zu einem echten Erlebnis.

Rathaus (Primăria)

Schon von außen zeigt sich das Rathaus als wahres Schmuckstück. Doch von innen versetzt die detailreiche Architektur im rumänischen Brâncoveanu-Stil wirklich jeden ins Staunen. Neben den verzierten Bögen und Lampen begeistert auch die Glaskunst der Fenster, die Motive der Stadt abbilden. Einen tollen Blick über die Stadt bietet der angrenzende Turm, den du tagsüber besteigen kannst.

Kulturpalast (Palatul Culturii)

Der Kulturpalast übertrifft das Rathaus sogar mit noch mehr Pracht und Prunk. Geschmückt mit floralen und vegetativen Motiven im typischen Jugendstil schreitest du hier die geschmückten Gänge des luxuriösen Spiegelsaals entlang. 18 Kilogramm Gold wurden für den Bau des Palasts in den Jahren 1911 bis 1913 verwendet, insbesondere in der integrierten Philharmonie. Fast 4.700 Pfeifen zählt die gigantische Orgel oberhalb der Bühne.

Auch hier zieren Bleiglasfenster mit Alltagssituationen der Ungarn die Räume. In einer integrierten Ausstellung kannst du zudem Werke bekannter rumänischer Maler besichtigen. Der Eintritt in den Kulturpalast kostet 12 Lei (ca. € 2,50).

Mittelalterliche Burg

In Fußnähe zur Innenstadt thront auf einer Anhöhe eine mittelalterliche Kirchenburg aus dem 15. Jahrhundert. An diesem ruhigen, beschaulichen Ort kannst du einen kleinen Spaziergang machen, unter einem Schatten spendenden Baum ein Buch lesen oder dich im Restaurant niederlassen.

Teleki-Bolyai Bibliothek

Auch wenn du kein Bücherwurm bist, die Teleki-Bolyai Bibliothek wird sicherlich auch dich in ihren Bann ziehen. Sie besteht aus über 200.000 Bänden und wurde 1802 von Graf Samuel Teleki de Szék ins Leben gerufen. Das älteste Buch ist der Koncz Codex, eine lateinische Bibel aus dem 14. Jahrhundert. Doch auch Schätze von Voltaire und Kant oder Bücher mit Illustrationen von Albrecht Dürer findest du hier. Das wertvollste Exemplar ist eine Erstausgabe der „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“ von Isaac Newton.

Weingut Villa Vinea

Nur ein paar Minuten außerhalb von Târgu Mureș befindet sich das Weingut Villa Vinea. Ein eisernes Tor markiert den Eingang des Anwesens. Schon hier fährst du bereits an dicht berankten Weinstöcken vorbei bis hin zum Hauptgebäude. Die Gegend ist vor allem für Weißweine bekannt, und so werden in der Villa Vinea auf 70 Hektar unter anderem Riesling, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Chardonnay angebaut. 175.000 Flaschen werden in dieser Kellerei jährlich produziert.

Im Rahmen einer kleinen Weinprobe darf ich unter anderem die königliche Mädchentraube verkosten. Ein wirklich feiner Tropfen! Da das Weingut bereits viele Preise gewonnen hat, jedoch auch nicht verwunderlich.

Restaurant Tipp: Im Petry Bistro Grill & Wine in Târgu Mureș dreht sich viel um richtig gutes Fleisch. Doch auch Vegetarier werden auf der umfangreichen Karte fündig. Ein modernes, stylisches Restaurant mit exzellenter Küche, das du unbedingt ausprobieren solltest!

Sighișoara – bunte Gassen & mittelalterliches Flair

Die für mich schönste Stadt des Landkreises ist Sighișoara (auf Deutsch Schäßburg), die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Das Highlight ist die einzige noch erhaltene und bewohnte mittelalterliche Festung Europas. Die Zitadelle wurde im 12. Jahrhundert von deutschstämmigen rumänischen Sachsen im Auftrag des ungarischen Königs erbaut.

Glockenturm & Schülertreppe

Innerhalb der Mauern findest du eigentlich alles, was sehenswert ist. Verliere dich in den bunten, verwinkelten Gassen mit schiefen Häusern und bestaune den Glockenturm, in dem zu jeder vollen Stunde die Figuren wechseln. Er ist die Verbindung zwischen Unter- und Oberstadt, zwischen dem neuen und alten Teil von Sighișoara. Seine vier Türmchen an den Ecken des Daches gelten als Zeichen der Blutgerichtsbarkeit.

Vom Marktplatz siehst du sie bereits, die alte, überdachte Schülertreppe aus dunklem Holz. Sie wurde 1642 vor allem für den Winter zum Schutz von Kindern und Eltern erbaut. Auch heute noch kannst du sie besteigen und von oben einen herrlichen Blick genießen.

Geburtshaus von Graf Dracula

Die Legende besagt, dass der Sohn von Vlad II. Dracul namens Vlad Tepes (Vlad III. Drăculea) 1431 in Sighișoara geboren worden sei. Das Haus, in dem er fünf Jahre gelebt haben soll, beherbergt nun ein Restaurant und ein kleines Museum. Nicht weit davon entfernt erinnert eine Büste Draculas an den „Pfähler“, wie er genannt wurde.

Die Figur Dracula erfand übrigens ein irischer Schriftsteller namens Bram Stoker. Er wurde von Vlad Dracul inspiriert, der besonders blutrünstig war und beispielsweise Dieben die Hand abhacken oder Feinde auf Holzpfählen aufspießen ließ. Ein Vampir war er jedoch keineswegs – nur in Stockers Fantasie.

Tipp: Besuche auf dem Weg nach Sighișoara das Rhédey Schloss, in dem die Großmutter von Queen Mary und Ur-Ur-Großmutter von Elizabeth II aufwuchs. Hier wird im Rahmen einer Ausstellung auch die Geschichte der Tragödie von Bezidu Nou erzählt. Das Dorf fiel vor 30 Jahren einer Vision des damals herrschenden Diktators zum Opfer, der nur noch große Städte und keine kleinen Dörfer mehr in seinem Land wollte. Ein Staudamm wurde gebaut und das Dorf einfach überschwemmt. Zum Glück konnten sich die Bewohner zuvor aus ihren Häusern retten. Heute befindet sich an dieser geschichtsträchtigen Stelle ein türkisfarbener, idyllischer Badesee.

Restaurant Tipp: Im Restaurant Dracula Danes, nicht weit von Schäßburg, ist der Name Programm. Ob die Dracula Platte oder der Dracula Salat hier nach Blut oder Knoblauch schmecken, kann ich nicht beurteilen, aber die Mici (Wurst) und die Polenta mit Käse schmecken wirklich lecker.

Sovata – heilende Gewässer & unberührte Natur

Der Ursprung der heilenden Wirkung des salzhaltigen Wassers rund um Sovata geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann durch den Einsturz einer Doline der heutige Bärensee „ Lacu Ursu“. Er ist ein echter Magnet für Touristen und Einheimische aus dem Umkreis – nicht nur zum Baden, sondern auch wegen der heilenden Anwendungen mit Schlamm aus diesem See, die hier angeboten werden.

Baden im Bärensee

Der Ursu See ist der größte solarthermische See der Welt. Aufgrund seiner Heliothermie, die bewirkt, dass das Salz Sonnenwärme besonders gut speichert, ist der Bärensee muckelig warm. Bei meinem Besuch stolze 30 Grad, an den meisten Tagen jedoch noch mehr, bis zu 50 Grad! Erwachsene sollten sich allerdings nicht länger als 30 Minuten darin aufhalten, um die therapeutische Wirkung zu erhalten.

Der See ist nicht öffentlich, der Eintritt kostet 30 Lei (ca. € 6,40). Falls du nach dem Sonnenbad ein bisschen hungrig bist, lass dich im Kicsi Gomba mit Seeblick nieder oder auf einer Bank im kleinen Park mit einem warmen, duftenden Kürtös (Baumstrizel) in der Hand.

Mehrere weitere Seen und eine herrlich unberührte Natur laden im Umkreis zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Aber Vorsicht: Hier kannst du durchaus mal auf einen Bären treffen! Wenn es etwas mehr Action sein darf, fordert dich ein Hochseilgarten am Tivoli See in Schwindel erregender Höhe heraus.

Zum Wandern ist die Gegend rund um den Ort Campu Cetaii wunderschön. Normalerweise pendelt täglich von Sovata dorthin eine kleine Dampflok, die jedoch bei meinem Aufenthalt leider defekt war. Im Han Pescaresc kannst du deinen Fisch in einem Teich selbst fangen und anschließend im Restaurant nach deinen Wünschen zubereiten lassen.

Offroad Jeeptour

Eine Reise nach Transsilvanien kann aber ja nicht nur aus ein bisschen spazieren gehen und im See baden bestehen, oder? Ein bisschen Action muss schon sein und zwar zum Beispiel im Rahmen einer Offroad Tour. Durch dichte Wälder, über steile Anhöhen und tiefe Schlammlöcher kämpft sich der Jeep mit etwas beängstigendem Klappern und Quietschen voran. Palinko Schnaps zwischendurch beruhigt meine etwas angegriffenen Nerven. Teil der Tour sind auch mehrere Aussichtspunkte, von denen du den Blick über Sovata und die umliegenden Hügel genießen kannst sowie über geschichtsträchtige Orte wie die Blutwiese, wo zahlreiche Schlachten stattgefunden haben. Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen.

Der Trip von Transsic Tours dauert normalerweise von 10 bis 16 Uhr und kostet für 3-4 Personen 120 Euro. Verpflegung ist darin enthalten.

Zum Sonnenuntergang auf den Belvedere Turm

Nur einen gut 15-minütigen Spaziergang vom Zentrum Sovatas entfernt, lockt der Belvedere Turm mit einer fantastischen Aussicht besonders zum Sonnenuntergang. Auf dem reizvollen Waldweg passierst du auch spektakuläre Salzlandschaften, die dich zum Staunen bringen. Ein echtes Highlight!

Restaurant Tipp: Im Kali habe ich eine sehr gute Forelle in Polentamantel gegessen. Die dazu servierte Knoblauchsoße vertreibt mit Sicherheit alle Nachfahren Draculas, die sich noch in Transsilvanien tummeln. Auch die überbackene Polenta mit Salatsuppe ist ein traditionelles, leckeres Gericht, das du hier probieren solltest.

Anreise: Mit Wizz Air von Memmingen direkt nach Târgu Mureș

Zwei Mal wöchentlich fliegt die ungarische Airline Wizz Air auf direktem Weg von Memmingen zum Transsilvanien Airport in Târgu Mureş. Ob für einen Kurztrip von Donnerstag bis Sonntag oder eine ganze Woche, die nur 1,5 Stunden Flug lohnen sich in jedem Fall.

Vor Ort mietest du dir am besten einen Leihwagen, um flexibel die Gegend erkunden zu können. Da das öffentliche Busnetz zudem nicht sehr gut ausgebaut ist, empfiehlt sich diese Transportvariante.

Alle wichtigen Informationen zu den Highlights in der Region Mureş findet ihr unter www.visit-mures.com.

Mehr von Nina? 

Hier geht’s zu ihrer Blog-Seite www.goodmorningworld.de 

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