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Marokko: Zauberhafte Zeitreise in Fès

FMM EXPLORER

Marokko: Zauberhafte Zeitreise in Fès

Von Memmingen nach Marokko mit Lea, Reisejournalistin & Bloggerin.

Für ihren eigenen Reise- und Outdoorblog “Escape-Town” ist Lea seit dem Jahr 2013 stetig auf Reisen.

Ihre Erlebnisse und Eindrücke fasst sie für ihre Leser in spannenden Berichten zusammen.

Für den Flughafen Memmingen hat sie sich im Frühjahr 2018 auf den Weg nach Fès, Marokko gemacht …

Balek! Balek!“ ruft eine laute Stimme hinter mir. Instinktiv springe ich zur Seite und drücke mich an die Hauswand. Zu meinem Erstaunen zieht an mir ein mit schweren Taschen beladener Esel vorbei. Es herrscht reges Treiben. Gegenüber wird die Straße gerade mit Wasser gereinigt und an der nächsten Ecke steht ein blinder Bettler, der auf den Koran predigt. Für die Einheimischen ein ganz normaler Tag, für mich ist es der Anfang eines kleinen arabischen Abenteuers in Nordafrika.

Fès ist die älteste der vier Königsstädte Marokkos. Sie liegt im Landesinneren und ist reich an Kunstschätzen, wunderbarer Architektur und Geschichte. Ihre Bewohner, die fassis, sind bekannt für ihre feine Küche. Auch die blau-weißen Keramiken und die feinen Ledertaschen sind vielen Besuchern ein Begriff. Gute Ware ist heiß begehrt. Doch um an sie ranzukommen, wird einem einiges an Verhandlungsgeschick abverlangt.

Schlafen, Essen und Shoppen in Fès El-Bali

Wer Fès besucht sollte sich am besten in der Medina, der Altstadt einquartieren. Hier findet alles statt, was die Stadt unverwechselbar macht. Als der österreichische Schriftsteller Hugo von Hofmannstahl 1925 in die Medina von Fès kam, beschrieb er sie so: “mittendrin, geschlossen, ausgangslos, als wäre man ins Innere eines Granatapfels geraten”.

Einen treffenderen Vergleich kann ich mir nicht vorstellen. Hinzuzufügen wäre nur noch, dass in diesem Granatapfelkern unausgesprochener Linksverkehr herrscht. Denn auf die Seite springen muss man unweigerlich. Autos sind hier zwar verboten, das hindert die unzähligen Motorradfahrer, Eseltreiber und Schubkarren aber nicht, sich durch die engen Straßen zu schieben.

Die mittelalterliche Medina von Fès gilt als größte Nordafrikas. Ganze 280 Hektar ist sie groß, das entspricht einer Fläche von 400 Fußballfeldern. Seit 1981 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Sich zu orientieren ist schwierig. Marokkanische SIM-Karten mit Datenvolumen sind zwar für wenige Euros zu haben, die GPS-Ortung in den engen Gassen, die nur teilweise auf Karten erscheinen jedoch lückenhaft. Ich stecke das Handy also wieder in meine Tasche und orientiere mich an den kleinen Schildern, die wohl im Laufe der Zeit für Touristen angebracht wurden.

Sehenswertes

Die Tala’A Kbira ist die Hauptachse der Altstadt. Ich gehe morgens zu Fuß bergauf zum Bab Boujloud Platz. So sehe ich die Straßen noch vor dem Ansturm der Touristenmassen und lasse mich später wieder nach unten treiben. Hier am Anfang der langen Straße wird vor allem Gemüse und Obst in rauen Mengen verkauft.

Ein Stück weiter unten liegt die Medersa Bou Inania, eine reich verzierte Koranschule aus dem 14. Jh. Der Innenhof ist zugänglich und wunderschön verziert. Beeindruckend sind vor allem die geschnitzten Balken aus Zedernholz.

Am unteren Ende der Straße befindet sich die Kairaouine Moschee. Das Gotteshaus ist zwar für Nicht-Muslime nicht zugänglich, durch das Tor darf man trotzdem einen verstohlenen Blick hineinwerfen. Das Gebäude gilt als eine der ältesten Universitäten der Welt (859 gegründet als Madersa). Hier haben viele Gelehrte studiert, die später in der islamischen Welt Geschichte geschrieben haben.

„Was ist dein Preis?“

Handeln in Marokko läuft meist mehrsprachig, die Händler sprechen sehr oft gut Deutsch. Wer sich allerdings die Mühe macht, ein paar Zahlen und Phrasen auf Arabisch zu lernen, ist zu Spielbeginn klar im Vorteil, denn Handeln ist Pflicht und Übung macht den Meister. Am besten sagt man solange es geht keinen Preis, steigt niedrig in die Verhandlungen ein und behält einen kühlen Kopf. Selbst mitrechnen und das Wechselgeld kontrollieren, schützt zusätzlich vor späteren Enttäuschungen.

In Fés haben sich in verschiedenen Stadtteilen und Straßen unterschiedliche Händler zusammengefunden. So kann man sich am Souk el Attarine mit Gewürzen eindecken oder an der Place es-Seffarine den Künstlern beim Messingschmieden zusehen.

Die Gerberei von Chuwwara ist etwas abseits angesiedelt, denn das Verarbeiten der Tierhäute zu geschmeidigem Leder ist eine geruchsintensive Angelegenheit. Beim Aufstieg zu einer der Aussichtsplattformen bekomme ich einen Stängel Minze in die Hand gedrückt. Raum für Raum werden die Waren angepriesen, doch so recht kann ich mich nicht entscheiden.

Viel mehr interessieren mich die hübschen Keramiken, für die Fès auch bekannt ist. Doch beim Handeln bekomme ich den Preis für die auserkorenen Teller nicht unter 100 Dirham, was in etwa 10€ entspricht. Zu teuer wie ich finde, also ziehe ich weiter.

Mit dem Gewürzmann werde ich schließlich einig über den Preis und stocke ordentlich an „Ras El Hanout“ auf. Die Gewürzmischung aus 35 Gewürzen schmeckt überall ein wenig anders, und diese hier riecht besonders gut.

Traumhaft schön nächtigen und speisen

Zu Hotels umgebaute Riads gibt es viele in Fès. Von außen oft unscheinbar mit abbröckelnder Fassade, werde ich im Palais Amani von einem wunderschönen Innenhof überrascht. Die bröckelnden Fassaden sollen übrigens Neid verhindern. Zur Begrüßung wird ein heißer Minztee, der typisch marokkanische “thé à la menthe”,  mit trockenem Gebäck gereicht. Die Zimmer sind nobel und wahrlich eine Oase, in die man abends gerne zurückkehrt. Beeindruckend ist auch der reichlich gedeckte Frühstückstisch im Innenhof unter blühenden Orangenbäumen.

Auch das Riad El Ghalia erfüllt alle marokkanischen Träume. Der überdachte Innenhof mit seinen bunten Fließen und dekorativen Tischen ist traumhaft schön. Als der Besitzer das Anwesen kaufte, wollte er es nach seiner Mutter benennen, doch sein Vater meinte, der Name seiner damaligen Konkubine wäre doch schöner als Namensgeber. Andere Länder, andere Sitten. Auch wenn diese hier mittlerweile auch zu längst vergangenen Zeiten zählen.

Kulinarische Wunderwelten

Zum Essen gibt es meist Tajine. Das Nationalgericht der Marokkaner ist in einem Tontopf (Tajine) zubereitetes Gemüse und Fleisch. Es schmeckt immer ein bisschen anders und ist gut für einen empfindlichen Magen. Denn die für uns ungewöhnlichen Bakterien verderben einem schnell den Urlaub, weswegen eine kleine Reiseapotheke Gold wert ist.

Trotzdem sollte man nicht zurückschrecken, in den kleinen Läden am Straßenrand zu essen. Besonders gut ist es immer dort, wo auch die Einheimischen essen. Ob man sich dabei für das mit Fleisch und Pommes gefüllte Fladenbrot entscheidet oder auf eine gesunde Tajine vertraut, bleibt einem schließlich selbst überlassen.

Manchmal kann so ein Essensstopp in mitten der Medina auch lebensnotwendig sein. Gesättigt und erholt kann man dann wieder die Suche nach dem richtigen Weg aufnehmen. Und sollte man ihn nicht mehr finden, so findet sich sicherlich ein netter Marokkaner, der einen gerne ans Ziel bringt. Mit ein paar Umwegen in die Geschäfte seiner Brüder und Cousins, versteht sich.

Anreise: Mit Ryanair aus dem Allgäu direkt nach Fès

Ab Memmingen fliegt Ryanair das ganze Jahr über zweimal die Woche direkt nach Fès. Immer Mittwochs und Sonntags gehen die Flüge. Flugzeit sind rund drei Stunden.

Vom Flughafen Fès-Saïss kommt man nach den oft langwierigen Sicherheitskontrollen entweder mit dem Airport-Shuttlebus (20MAD) oder einem Taxi (ca 120MAD). Wer seinen Koffer nicht durch die engen Straßen der Altstadt ziehen möchte, bestellt übers Hotel eine carozza. Auf dem kleinen Wagen wird der Koffer so sicher ins Hotel gebracht.

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Hier geht’s zu ihrer Blog-Seite www.escape-town.com 

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2018-05-11T16:53:37+00:00